Head Protection Technology

Getaggt mit design



TS: „ Wie war das mit Michael Schumacher, als er das erste Mal zu dir kam?“

JM: „Michael Schumacher hatte ja sein Design damals schon, als er zu uns und Schuberth kam. Wir haben dann nach und nach versucht unsere Ideen einzubringen.“

TS:  „Wieviele Versionen habt ihr bisher für Schumacher gemacht?“

JM: „Also ich würde es mal Änderungsschritte nennen. Das waren seit 2001 bestimmt 20-30, die wir seit dem ursprünglichen Design gemacht haben. Der wichtigste Schritt war sicherlich, als ich ihn davon überzeugen konnte, dass der Name nicht auf den Helm muss. Damals war er schon 3-facher Weltmeister als er akzeptiert hat, dass er seinen Namen nicht mehr auf den Helm schreiben muss.

(Schumacher-Helme)

Eine andere Änderung war damals, als ich ihm vorgeschlagen hatte, ob er nicht die Namen seiner Familie auf dem Helm tragen möchte. Und diese Idee fand er von Anfang an toll, das war ihm sehr wichtig seine Familie „mit dabei“ zu haben.

TS: „Was war der spektakulärste Helm, den ihr gemacht habt?“

JM: „Ich denke von den Emotionen her, war´s auf jeden Fall der Helm, den wir nach 9/11/2001 gemacht haben. 3 Wochen später war der USA Grand Prix und wir haben uns überlegt, wie wir ein Zeichen setzen können und so kam die Idee die Deutschland-Farben gegen das star-spangeled Banner zu ersetzen.  Darüber hat sogar CNN berichtet, dass Michael Schumacher mit der amerikanischen Flagge auf dem Helm fährt. Der Helm wurde danach versteigert zu Gunsten der Opfer des Anschlags.

TS: „Wie lange dauert es normalerweise, bis ein Design tatsächlich umgesetzt wird, von der ersten Idee bis zum fertigen Helm?“

JM: „Von der ersten Idee über  die Grafik, bis zum ersten Lackieren kann man ca. 2-3 Tage rechnen.“

TS: „Jetzt lesen hier wahrscheinlich auch einige interessierte Privat- und Hobbyfahrer mit. Wie lange dauert es bei diesen, bis der Helm fertig ist ?“

JM: „ Also wenn das Design steht, ist der Helm in 15h lackiert und aufgebaut. Das Problem ist, dass wir sehr lange Wartezeiten haben. Gerade jetzt in der Vorsaison. Wir lackieren maximal 2 Helme pro Woche.“

(QF1-Helm Nick Heidfeld – der erste Schuberth-Helm für die Formel 1)

TS: „Wieviele Leute habt ihr derzeit?“

JM: „Wir sind derzeit 7.“

TS:  „Und davon sind wieviele Airbrusher ?“

JM:  „So einfach wird das nicht aufgeteilt. Wir haben Leute für die grafische Bearbeitung, für die Druckvorbereitung und für die Organisation und alle anderen sind am Lackierprozess beteiligt. Der eine macht mehr Vorbereitungsarbeit, der andere klebt Linien ab – es gibt verschiedene Stufen bei uns. Im Grunde ist die Arbeit an jedem Helm übergreifend, sodaß mehrere Mitarbeiter an einem Helm arbeiten.“

TS: „Was kostet es ein Helm designen zu lassen, wenn ich als Privatperson mit meinem Motorradhelm zu euch komme ?“

JM: „ Wir machen derzeit keine Motorradhelme mehr. Das hat sich ergeben, als die Wartezeit immer länger wurde und wir entschieden haben uns auf eine Szene zu beschränken, die wir mit vernünftigen Wartezeiten bedienen können und für Motorradhelme war einfach kein Platz mehr. Außerdem ist ein Motorradhelm von seiner Mechanik her sehr aufwändig zu zerlegen. Wir mussten sehr viel Schiebeelemente, Lufthutzen und Bauteile, die man nicht so einfach demontieren kann, mitlackieren. Um so etwas wirklich sauber machen zu können brauchen wir eigentlich Rohschalen, was bei den meisten Motorradhelm-Marken nicht geht – außer bei Schuberth, da ist es natürlich einfacher durch die Verbindung zum Werk.

TS: „Ihr stellt ja auch die Replika-Helme für die Formel1-Teams her. Dauert dieser Prozess im Vergleich zum Originalhelm genauso lang?“

JM: „Ja, das einzige was schneller geht ist das gleichzeitige lackieren von mehren Helme auf einmal. Die Vorbereitungszeit ist damit etwas besser aufgeteilt, als wenn man nur für einen Helm die Farbe anrührt. Aber die Herstellung  eines Replikahelms ist exakt die gleiche wie für einen original Race-Helm.

TS: „Was war bisher der kurzfristigste Auftrag den ihr erfüllen musstet ?“

JM: „Es gab Fälle, bei denen Abends der Anruf kam und morgens der Helm dringend bei Schuberth sein musste. Gerade am Anfang mit Nick Heidfeld, als Schuberth in die Formel1 einstieg, die Schale ständig neu-entwickelt wurde, Aerodynamik-Bauteile angepasst wurden. Da gab es einige Nachtschichten.“

TS: „Jens – vielen Dank für deine Zeit. Zum Abschluß gehen wir jetzt noch einen Michael Schumacher Helm lackieren“

Einige Fotos über die nächsten Arbeitsschritte gibt es auch auf flickr:

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Wie bereits angekündigt gibt es heute das Interview mit Jens Munser von http://www.jmd.de. Jens und sein Team designen den Großteil unserer Motorsport-Helme.

TS: “Herzlich Willkommen und danke für deine Zeit für ein kleines Interview. Jens Munser, Designer von Motorsporthelmen – wie fängt sowas an?“

JM: „Das fängt damit an, dass man Motocross fährt, das als Hobby betreibt und sich wundert, dass es in Amerika gut gestylte Helme gibt, die zur Bekleidung gepasst haben. In Deutschland gab es sowas eben nicht, sondern nur die Helme von der Stange. Mir hat das gut gefallen, ich hab dann nach jemanden gesucht der sowas lackieren kann und da ich niemand gefunden habe in Deutschland musste ich das selbst machen. Es war nicht ganz einfach sich das Wissen anzueignen, aber es war dann immer mein Ziel Helme zu stylen und das hat mich angetrieben.“

TS: „Wann hast du deinen ersten Helm gemacht?“

JM: „Das war 1993. Da habe ich meinen ersten Helm „gewerblich“ gemacht. Bis dahin hatte ich mich mit Airbrush beschäftigt, mir das Wissen angeeignet, Lackierern über die Schulter geschaut, aber ab 1993 kamen die ersten Helme dabei raus.“

TS:“ Warst du mit deinem ersten Helm zufrieden ?“

JM: „(lacht) Ne den hab ich dann kurz hinterher wieder abgeschliffen. Das war damals mein Motocross-Helm, das hatte mir nach einem Jahr dann doch nicht mehr so gefallen. Jetzt ärgere ich mich natürlich, denn das wäre mein erster Helm gewesen. Die zweite Version gibt’s aber immer noch.“

TS: „Wieviele professionelle Fahrer habt ihr jetzt, die ihr beliefert?“

(Felipe Massa – mein persönlicher Helmdesign-Favorit von Jens)

JM: „Aus der Formel-1 sind es derzeit 8 Fahrer. Dazu noch einige aus der DTM und GP2“

TS: „Wie beginnt ihr mit dem Designentwurf, wenn ein Fahrer zu euch kommt?“

JM: „Wir versuchen das Design zuerst einzugrenzen. Was will der Kunde, was sind seine Vorstellungen. Dazu hilft meistens ein Blick auf unsere Homepage (www.jmd.de) , da haben wir 600 Helmmodelle online und man kann sich gewisse Grundideen aussuchen, damit wir nicht ganz im Dunkeln tappen. Danach werden erstmal Kosten und Wartezeit geschätzt und dann beginnen wir mit einer Computersimulation der Lackierung. Dann schicken wir es an den Kunden und verändern es solange bis der Kunde zufrieden ist.“

TS:“ Habt ihr einem Fahrer schonmal von einem Produktdesign abgeraten? Und wenn ja, warum?“

JM: „Details, die man mit dem Fahrer bespricht und sagt „lass das lieber, das passt nicht zusammen“. Ganze Designs eigentlich nicht. Wenn dann eher in Fällen, bei denen wir von vorneherein sagen das sollte man lieber nicht tun. Ein klassischer Fehler, den manche machen ist z.B. einen Farbverlauf von Gelb nach Schwarz: das ergibt immer Braun dazwischen. Das sieht vielleicht am Computer noch gut aus oder in deinem Kopf, aber in der Praxis wirkt es eben unsauber und schmutzig.

TS: „Welche Bedeutung hat das Helm-Design für einen Formel-1 Fahrer?“

JM: „Eine sehr große – der Helm ist ja die einzige Fläche, bei der sie selbst entscheiden können wie er gestaltet wird. Das Auto, der Overall und alles andere sind ja vorgegeben. Das ist den Fahrern auch ausgesprochen wichtig.“

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zum Thema: Themen

Nächste Woche: Interview mit Jens Munser, airbrusher

Nächste Woche werden wir ein kleines Interview mit unserem Kollegen von Jens Munser Design (www.jmd.de) aufnehmen. Jens Munser macht die meisten Designs für unsere Formel1-Fahrer, wie Schumacher, Heidfeld und Rosberg.

Wenn Ihr Fragen an Ihn habt, posted sie als comment und wir werden sie ihm stellen.

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